Stellungnahme des Ortsverbandes und der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Singen zum Windkraftprojekt Chroobach auf dem Schienerberg

Kantonaler Richtplan Windenergie des Kantons Schaffhausen

Bündnis 90/Die Grünen Singen/Hohentwiel unterstützt nachdrücklich das Windkraftprojekt Chroobach auf dem Schienerberg und bittet die politischen Verantwortlichen im Kanton Schaffhausen alles für die Realisierung dieses Projektes zu tun.

Kampf gegen den Klimawandel als nationale Rahmenaufgabe
Das Pariser Klimaschutzabkommen und deren Vorgängerabkommen haben das 2°-Grad Ziel der Erderwärmung als zentrales Ziel für den Kampf gegen den Klimawandel definiert. Es besteht in Deutschland ein weitgehender Konsens darüber, dass nur durch eine konsequente CO2-Reduktion dieses Ziel erreicht wird. Diese Reduktion werden wir nur durch eine Energie- und eine Verkehrswende wirklich schaffen.

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich in einem nationalen Aktionsplan 2010 dazu verpflichtet, die Treibhausgas-Emissionen von 1.251 Mio. T im Jahr 1990 auf 751 Mio. T in 2020 zu reduzieren, also -40% gegenüber 1990. Stand 2016: 906 Mio. T, das entspricht -28%. Von einer Erreichung dieses selbst gesteckten Ziels sind wir weit entfernt.

Die GRÜNEN werden auf Bundesebene die politische Forderung einbringen, bis 2030 eine 100%ige Energieversorgung aus erneuerbaren Energien zu haben. Dafür müssen wir auch die Windenergie weiter voranbringen. Der derzeitige Energie-mix in BaWü kann nur in Richtung erneuerbare Energie gedreht werden, wenn wir unseren eigenen Strombedarf weitgehend selbst decken. Große Stromleitungen durchs Land zu legen mit einem entschiedenen Widerstand der Bevölkerung, nur weil der Süden angeblich keine eigene Windkraft rentable betreiben kann, ist schlichtweg Unfug.

Die Unterstützung in der Bevölkerung:
Es geht nicht darum, wer am Lautesten schreit. Verschiedene Umfragen über das Thema (letztmalig Forsa) haben ergeben, dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung (mehr als 80%) sich für einen weiteren Ausbau aussprechen, mehrheitlich selbst Menschen, die in unmittelbarer Nähe von Windrädern wohnen.  

Wir sind sicher, dass es eine Unterstützung der „schweigenden Mehrheit“ auch in unserer Region gibt. Die Grünen sind bei der vergangenen Bundestagswahl zweistärkste Kraft im Landkreis geworden. 1.418 Bürger*innen haben sich bisher auf der Plattform windkraft-hegau.de zur Windenergie bekannt.

Die Energiewende in unserer Region
Kürzlich haben Wissenschaftler*innen der HTWG Konstanz ihre Ergebnisse zur Begleitung der Energiewende im Landkreis Konstanz vorgestellt und dabei unterstrichen, dass die Region nahezu alle gesteckten Ziele im Rahmen der Energiewende nicht erreicht.

Während Baden-Württemberg mit derzeit ca. 13% Anteil erneuerbarer Energien am Energiebedarf bundesweit bereits auf dem vorletzten Platz nach dem Saarland rangiert, sind es im Landkreis Konstanz nicht mal 10% und bewegen uns damit auf den hinteren Rängen in Baden-Württemberg.

Das kann nicht so weiter gehen. Die Energiewende geht uns alle an. Sie kann nicht nur ein Thema des windkraftstarken Nordens sein. Gemeinsam mit unseren Nachbarn müssen wir das Thema europäisch denken und alle infrage kommenden Flächen auf ihre Tauglichkeit überprüfen.

Das Argument des windschwachen Gebietes
Bei der Energiewende kommt es auf jedes noch so kleine Mosaiksteinchen an. Die Technik der Windräder ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass sie auch bei Schwachwinden ausreichende Erträge erzielen. Es muss der Grundsatz gelten, dass Strom eben nicht über lange Leitungen von Starkwind- in Schwachwindgebieten transportiert wird, sondern, dass der regionale Bedarf an erneuerbaren Energien größtenteils von der Region selbst gedeckt wird. Unter diesen Gesichtspunkten ist jedes Windkraftprojekt in der Region zu unterstützen.

2000 Watt Gesellschaft
Schaffhausen, Singen, Konstanz und andere Städte der Bodenseeregion arbeiten eng zusammen um bis zum Jahr 2050 die Ziel einer 2000 Watt Gesellschaft zu erreichen. Dabei geht es nicht nur um Energiesparen und Energievermeidung. Auch die klimaneutrale Produktion von elektrischer Energie ist ein wichtiges Ziel. Ohne die Kommunen wird es keine Energiewende geben. Deshalb halten wir es für wich-tig, dass sich die Kommunen gegenseitig unterstützen.

Das Argument der Verschandelung der Landschaft
Wir Grünen wehren uns vehement gegen das Argument der Verschandelung der Landschaft. Wo waren diese Argumente, als die A81, die A96 und die B33 gebaut bzw. ausgebaut wurden? Sind Windräder eine stärkere Verschandelung der Land-schaft als Kohlekraft,- oder sogar Atomkraftwerke? Windräder sind zutiefst demokratisch. Sie zeigen uns jeden Tag, dass unsere Energie nicht einfach nur aus der Steckdose kommt, sondern mühsam, unter großen negativen Wirkungen für die Umwelt produziert werden muss.

Nachdem das derzeit im Landkreis Konstanz geplante Windkraftprojekt in Steisslingen wegen – aus unserer Sicht zu hohen Naturschutzauflagen – bis auf weiteres nicht weiter verfolgt wird, sollte das Projekt Chroobach auf jeden Fall realisiert werden. Wir unterstützen Sie bei der Realisierung dieses Vorhabens.

Singen, 19.10.2017

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URL:https://gruene-singen.de/bisherige-arbeit/expand/662975/nc/1/dn/1/